So wählen Sie den richtigen Karton für Lebensmittelverpackungen

Die Wahl des richtigen Kartons für Lebensmittelverpackungen ist weit mehr als eine Frage von Grammatur, Optik oder Preis

Ein Karton kann in einer Faltschachtel hervorragend funktionieren und für eine heiße Take-away-Verpackung trotzdem ungeeignet sein. Ein Material kann sehr gut bedruckbar sein, aber nicht genügend Steifigkeit für eine stabile Burgerbox bieten. Und ein Produkt kann auf den ersten Blick besonders nachhaltig wirken, im Verarbeitungsprozess aber Probleme beim Formen, Siegeln oder Recycling verursachen.
Für Lebensmittelhersteller, Verpackungsverarbeiter und Einkäufer sollte die Materialauswahl deshalb immer als Teil des gesamten Verpackungssystems betrachtet werden.
Entscheidend sind unter anderem:
Steifigkeit und mechanische Festigkeit
Bedruckbarkeit
Fett- und Feuchtigkeitsbeständigkeit
Temperaturbeständigkeit
Barriereanforderungen
Siegelfähigkeit
Verhalten im Verarbeitungsprozess
Lebensmittelkontakt-Konformität
Recyclingfähigkeit
Gesamtkosten der fertigen Verpackung
Bei Papironova beginnt die Materialauswahl deshalb mit der fertigen Anwendung, nicht mit einer bestimmten Papier- oder Kartonsorte.
Mit der Anwendung beginnen, nicht mit der Grammatur
Eine der häufigsten Fragen bei der Beschaffung von Verpackungskarton lautet:
Welche Grammatur empfehlen Sie?
Die bessere Frage ist:
Was muss die fertige Verpackung tatsächlich leisten?
Vor der Auswahl des Materials sollten einige grundlegende Punkte geklärt werden:
Welche Lebensmittel werden verpackt?
Ist das Produkt heiß, kalt, tiefgekühlt oder bei Raumtemperatur gelagert?
Ist das Lebensmittel fettig, feucht oder flüssig?
Wie lange besteht direkter Kontakt mit der Verpackung?
Muss die Verpackung heißgesiegelt werden?
Wird sie erwärmt oder höheren Temperaturen ausgesetzt?
Welches Druckverfahren wird verwendet?
Welche Verarbeitungsmaschinen kommen zum Einsatz?
Welche Steifigkeit ist für das Endprodukt notwendig?
Wird eine kunststoffreduzierte oder Non-LDPE-Lösung benötigt?
Welche regulatorischen Anforderungen gelten im Zielmarkt?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich der passende Kartonaufbau sinnvoll beurteilen.
Grammatur ist wichtig, Steifigkeit oft noch wichtiger
Karton wird üblicherweise über die Grammatur in Gramm pro Quadratmeter beschrieben.
Zwei Kartons mit identischer Grammatur können sich in der Praxis jedoch sehr unterschiedlich verhalten.
Die tatsächliche Verpackungsleistung hängt auch von folgenden Faktoren ab:
Faserzusammensetzung
Dicke
Volumen
mehrlagigem Aufbau
Feuchtigkeitsgehalt
Faserrichtung
Beschichtung
Kaliber
Biegesteifigkeit
Ein Karton mit höherem Volumen kann teilweise eine vergleichbare Steifigkeit bei niedrigerer Grammatur erreichen.
Für Verarbeiter und Einkäufer ist deshalb das Verhältnis zwischen Steifigkeit und Materialgewicht häufig aussagekräftiger als die Grammatur allein.
Weniger Material bei gleichbleibender Stabilität kann außerdem helfen, den Materialeinsatz effizienter zu gestalten.
FBB für Lebensmittelverpackungen
Folding Boxboard, kurz FBB, gehört zu den am häufigsten eingesetzten Kartonsorten für hochwertige Faltschachteln und Lebensmittelverpackungen.
FBB bietet in der Regel ein gutes Gleichgewicht zwischen:
Steifigkeit
vergleichsweise geringem Gewicht
Bedruckbarkeit
glatter Oberfläche
guter Verarbeitbarkeit
hochwertiger Optik
Typische Anwendungen sind:
Süßwaren
Backwaren
Trockenlebensmittel
Tiefkühlverpackungen
Pharmafaltschachteln
Kosmetik
hochwertige Konsumgüterverpackungen
Wenn zusätzliche Fett-, Feuchtigkeits- oder Flüssigkeitsbarrieren erforderlich sind, kann FBB auch mit speziellen Barriereschichten kombiniert werden.
Ein großer Vorteil liegt im relativ hohen Volumen des Materials. Dadurch kann eine gute Stabilität erreicht werden, ohne die Grammatur unnötig erhöhen zu müssen.
Gerade dort, wo Materialeffizienz und hochwertige Präsentation gleichzeitig wichtig sind, kann FBB eine sehr interessante Lösung sein.
SBS und Solid Bleached Board
Solid Bleached Sulphate, kurz SBS, ist eine weitere hochwertige Kartonsorte, die insbesondere dort eingesetzt wird, wo Reinheit, Oberflächenqualität und Druckbild eine große Rolle spielen.
SBS bietet typischerweise:
hohe Weiße
sehr gute Druckeigenschaften
gleichmäßige Oberfläche
gute strukturelle Festigkeit
hochwertige optische Wirkung
Typische Einsatzgebiete sind:
Premium-Lebensmittelverpackungen
Tiefkühlkost
Pharma
Kosmetik
hochwertige Einzelhandelsverpackungen
Ob SBS oder FBB besser geeignet ist, hängt nicht nur vom Aussehen ab. Auch Steifigkeit, Kosten, Verarbeitungsverhalten und das endgültige Verpackungsformat müssen berücksichtigt werden.
Cupstock und Karton für Food-Service-Verpackungen
Für Becher, Bowls und geformte Lebensmittelbehälter gelten deutlich höhere Anforderungen als für klassische Faltschachteln.
Cupstock-Karton muss während mehrerer Prozessschritte zuverlässig funktionieren, beispielsweise beim:
Formen
Seitennahversiegeln
Bodenversiegeln
Randformen
Befüllen
Transport
Kontakt mit heißen oder kalten Flüssigkeiten
Unbeschichteter Karton allein kann die nötige Flüssigkeitsbeständigkeit in der Regel nicht gewährleisten.
Deshalb benötigt Cupstock normalerweise eine funktionale Barriere.
Traditionell werden dafür häufig Polyethylen-Beschichtungen eingesetzt. Inzwischen prüfen viele Marken, Verarbeiter und Lebensmittelhersteller auch Alternativen wie:
wasserbasierte Barriereschichten
Dispersionsbeschichtungen
spezielle Polymersysteme
biobasierte Barrierelösungen
kunststoffreduzierte Strukturen
Non-LDPE-Beschichtungen
Entscheidend ist dabei nicht nur die Barrierewirkung. Das Material muss auch auf der Produktionslinie zuverlässig laufen.
Die Barriere muss zum Lebensmittel passen
Die Barriereleistung gehört zu den wichtigsten Kriterien bei lebensmitteltauglichem Verpackungskarton.
Unterschiedliche Lebensmittel stellen sehr unterschiedliche Anforderungen.
Fettbeständigkeit
Produkte wie Burger, Pommes, Gebäck oder andere ölhaltige Lebensmittel können Fett in ungeschützten Karton übertragen.
Je nach Anwendung können deshalb erforderlich sein:
fettbeständige Beschichtungen
spezielle Oberflächenbehandlungen
Barrierepapiere
beschichtete Kartonlösungen
Die erforderliche Fettbarriere sollte immer an Lebensmittelart, Temperatur und Kontaktdauer angepasst werden.
Feuchtigkeitsbeständigkeit
Salate, gekühlte Produkte, Tiefkühlware und kalte Getränke können Verpackungen Feuchtigkeit oder Kondenswasser aussetzen.
Ohne geeigneten Schutz kann Karton:
weich werden
sich verformen
an Steifigkeit verlieren
Flecken entwickeln
sich delaminieren
Eine passende Feuchtigkeitsbarriere hilft, die Stabilität der Verpackung über die gesamte Nutzungsdauer zu erhalten.
Flüssigkeitsbeständigkeit
Suppenbehälter, Getränkebecher und bestimmte Molkereianwendungen benötigen noch höhere Barriereleistungen.
Hier werden sowohl die Qualität der Beschichtung als auch die Zuverlässigkeit der Versiegelung besonders wichtig.
Siegelfähigkeit in der industriellen Verarbeitung
Viele Lebensmittelverpackungen müssen nicht nur Fett oder Feuchtigkeit widerstehen.
Sie müssen auch bei industriellen Produktionsgeschwindigkeiten zuverlässig versiegelt werden können.
Wichtige Parameter sind zum Beispiel:
Siegeltemperatur
Kontaktzeit
Druck
Aktivierung der Beschichtung
Siegelstärke
Prozessfenster
Ein Material, das im Labor funktioniert, muss nicht automatisch auf einer schnellen Produktionsanlage gleich gut laufen.
Deshalb sollten Barriere- und Siegellösungen möglichst unter Bedingungen getestet werden, die der späteren Produktion entsprechen.
Bedruckbarkeit und Oberflächenqualität
Lebensmittelverpackungen erfüllen nicht nur eine Schutzfunktion. Sie sind gleichzeitig ein wichtiger Teil der Markenkommunikation.
Die Oberfläche des Kartons muss deshalb das vorgesehene Druck- und Veredelungsverfahren unterstützen.
Mögliche Verfahren sind:
Offsetdruck
Flexodruck
Digitaldruck
Lackierung
Prägung
Folienveredelung
weitere Premium-Veredelungen
Wichtige Oberflächeneigenschaften sind:
Glätte
Farbannahme
Gleichmäßigkeit der Beschichtung
Weiße
Helligkeit
Farbkonsistenz
Eine hochwertige Oberfläche verbessert nicht nur das Druckbild, sondern auch die Wahrnehmung des Produkts im Regal oder im Food-Service-Bereich.
Die Verarbeitung entscheidet über den tatsächlichen Erfolg
Die Bewertung eines Kartons sollte nicht am Werkstor des Papierherstellers enden.
Das Material muss sich über den gesamten Verarbeitungsprozess hinweg stabil verhalten.
Stanzen
Der Karton sollte sauber geschnitten werden können, ohne Faserzug, Kantenbeschädigungen oder Risse.
Rillen
Saubere Rilllinien sind wichtig, damit das Material beim Falten nicht bricht.
Falten
Schlechtes Faltverhalten kann zu Rissen, Weißbruch, Delamination oder sichtbaren Oberflächenfehlern führen.
Kleben
Beschichtungen und Oberflächenbehandlungen müssen mit dem eingesetzten Klebstoffsystem kompatibel sein.
Formen
Bei Bechern, Bowls und Schalen muss das Material mechanische Belastungen aushalten, ohne seine Struktur zu verlieren.
Hochgeschwindigkeitsproduktion
Schon kleine Schwankungen bei Dicke, Feuchtigkeit, Steifigkeit oder Beschichtungsverhalten können die Produktionsgeschwindigkeit und Ausschussquote beeinflussen.
Gerade bei großen Stückzahlen kann eine stabile Verarbeitung deutlich wichtiger sein als ein kleiner Preisunterschied beim Rohmaterial.
Der günstigste Karton ist nicht immer die günstigste Lösung
Bei Kartonbeschaffung wird häufig stark auf den Preis pro Tonne geachtet.
Doch der niedrigste Materialpreis führt nicht automatisch zu den niedrigsten Gesamtkosten.
Ein günstigerer Karton kann beispielsweise verursachen:
höheren Ausschuss
langsamere Maschinenlaufzeiten
Probleme beim Siegeln
mehr Reklamationen
Druckprobleme
schwankende Produktqualität
höhere Nacharbeit
Die sinnvollere Kennzahl ist deshalb:
Gesamtkosten pro einwandfreier fertiger Verpackung.
Diese Betrachtung berücksichtigt nicht nur den Materialpreis, sondern auch die Effizienz des gesamten Verarbeitungsprozesses.
Lebensmittelkontakt-Konformität
Papier und Karton für Lebensmittelverpackungen müssen den regulatorischen Anforderungen des jeweiligen Marktes und der vorgesehenen Anwendung entsprechen.
Je nach Material und Produkt können relevante Dokumente unter anderem sein:
Lebensmittelkontakt-Erklärungen
Migrationstests
technische Spezifikationen
Informationen zur Beschichtungszusammensetzung
Schwermetall-Erklärungen
PFAS-bezogene Unterlagen, sofern relevant
sensorische Prüfungen
Dokumentation zu guter Herstellungspraxis
Die Anforderungen unterscheiden sich unter anderem nach:
Land
Lebensmittelart
Kontakttemperatur
Kontaktdauer
direktem oder indirektem Lebensmittelkontakt
Aussagen wie lebensmittelecht, recyclingfähig, kompostierbar, kunststofffrei oder PE-frei sollten deshalb immer durch geeignete technische Nachweise gestützt werden.
Nachhaltigkeit bedeutet mehr als Kunststoff zu ersetzen
Nachhaltige Verpackungsentwicklung ist komplexer als der Austausch eines Materials durch ein anderes.
Papier statt Kunststoff bedeutet nicht automatisch, dass die neue Lösung in jeder Hinsicht besser ist.
Eine fundierte Bewertung sollte mehrere Faktoren berücksichtigen:
Gesamtmaterialverbrauch
Herkunft der Fasern
Einsatz von Frisch- oder Recyclingfasern
Verpackungsgewicht
Chemie der Barriere
Recyclingfähigkeit
Repulpability
Produktionseffizienz
Transporteffizienz
Produktschutz
Vermeidung von Lebensmittelabfällen
In manchen Anwendungen kann bereits eine sehr dünne funktionale Barriere entscheidend dazu beitragen, dass eine überwiegend faserbasierte Verpackung technisch zuverlässig funktioniert.
Das Ziel sollte deshalb darin bestehen, nur so viel Material wie nötig einzusetzen und gleichzeitig die erforderliche Leistung sicherzustellen.
Anforderungen je nach Verpackungsanwendung
Anwendung | Wichtige Materialanforderungen |
Burgerbox | Steifigkeit, Fettbeständigkeit, Faltverhalten |
Pommes-Verpackung | Fettbeständigkeit, Bedruckbarkeit, Stabilität |
Papierbecher | Flüssigkeitsbarriere, Siegelfähigkeit, Formbarkeit, Steifigkeit |
Suppenbecher | Temperaturbeständigkeit, Flüssigkeitsbarriere, Versiegelung |
Salatbehälter | Feuchtigkeitsbeständigkeit, Stabilität, Lebensmittelkontakt |
Backwarenbox | Bedruckbarkeit, Faltbarkeit, Fettbeständigkeit |
Tiefkühlverpackung | Feuchtigkeitsbeständigkeit, Steifigkeit, Bedruckbarkeit |
Eisbecher | Feuchtigkeitsbarriere, Verhalten bei niedrigen Temperaturen |
Süßwaren | Druckqualität, Steifigkeit, Optik |
Take-away-Schale | Formbarkeit, Fettbeständigkeit, strukturelle Stabilität |
Den einen besten Karton für Lebensmittelverpackungen gibt es deshalb nicht.
Die richtige Lösung hängt immer vom Produkt, vom Prozess und von der fertigen Verpackung ab.
Welche Fragen Einkäufer ihrem Kartonlieferanten stellen sollten
Vor der Freigabe eines Materials sollten einige technische und kommerzielle Punkte geklärt werden:
Für welche Anwendungen wird das Material empfohlen?
Welche Grammatur, Dicke und welches Volumen hat der Karton?
Welche Steifigkeitswerte sind verfügbar?
Welche Barriereeigenschaften bietet das Material?
Ist der Karton für direkten Lebensmittelkontakt geeignet?
Welche Nachweise und Zertifikate liegen vor?
Welche Beschichtungen werden eingesetzt?
Ist das Material heißsiegelfähig?
Welche Siegeltemperaturen werden empfohlen?
Für welche Druckverfahren ist das Material geeignet?
Wurde es bereits auf ähnlichen Maschinen verarbeitet?
Gibt es Nachweise zur Recyclingfähigkeit oder Repulpability?
Welche Lagerbedingungen werden empfohlen?
Wie hoch sind Mindestbestellmenge und Produktionszeit?
Eine professionelle Materialauswahl sollte diese technischen Fragen immer mit Kosten, Lieferfähigkeit und Prozesssicherheit verbinden.
Die Auswahl des richtigen Kartons ist eine Systementscheidung
Der richtige Karton für Lebensmittelverpackungen lässt sich nicht anhand einer einzigen Kennzahl auswählen.
Grammatur, Steifigkeit, Barriereleistung, Druckqualität, Verarbeitbarkeit, Lebensmittelsicherheit und Kosten beeinflussen sich gegenseitig.
Das beste Material ist deshalb nicht automatisch:
das leichteste Material,das dickste Material,das teuerste Materialoder das günstigste Material.
Die beste Lösung ist diejenige, die über Verarbeitung, Abfüllung, Transport und Nutzung hinweg zuverlässig funktioniert.
Papironova: Von der Anwendung zum passenden Material
Papironova arbeitet mit Papier- und Kartonherstellern, Verarbeitern und Verpackungsunternehmen zusammen, um geeignete Materialien für Lebensmittel- und Getränkeverpackungen zu identifizieren.
Unser Ansatz beginnt bei der tatsächlichen Anwendung.
Wir betrachten das Produkt, das Verpackungsformat, den Verarbeitungsprozess, die Barriereanforderungen, die Lebensmittelkontakt-Anforderungen und die kommerziellen Rahmenbedingungen, bevor geeignete Materialoptionen ausgewählt werden.
Von FBB und SBS über Cupstock bis hin zu spezialbeschichteten Barrierekartons geht es darum, technische Anforderungen mit einer passenden Material- und Lieferlösung zusammenzuführen.
Denn die erste Frage sollte nicht lauten:
Welcher Karton ist verfügbar?
Sondern:
Was muss die fertige Verpackung leisten?
Wenn Sie eine neue Lebensmittelverpackung entwickeln oder eine bestehende Kartonsorte ersetzen möchten, kann Papironova Sie bei der ersten Materialbewertung, Beschaffung und Lieferantenentwicklung unterstützen.




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